Öffentlich

Das, was offen, weithin sichtbar, nicht hinter den verschlossenen Türen und Vorhänger der Häuser von Individuen oder Gruppen und Gemeinschaften geschieht.

Öffentliches Interesse

Das größere Gemeinschafts-Interesse an der Regelung von Anliegen, die nicht nur Individuen oder Gruppen zugute kommen, sondern jedem zumindest zur Verfügung stehen, auch wenn nicht jeder sie jederzeit braucht.

Wenn beispielsweise jeder vor seiner Türe und entlang seiner Zäune kehrt, Laub harkt und Schnee fegt, kommen alle sauberen Fußes von Haus zu Haus, wann immer und wo immer sie gerade gehen müssen. Und zwar nicht nur Nachbarn und Bewohner der gleichen Straße und des gleichen Dorfes, sondern auch Menschen aus derselben Region und sogar aus fernen Ländern; ebenso wie man selbst, wenn einen die Füße dorthin tragen, davon profitiert, daß auch anderenorts Alle ihren Beitrag leisten, was dann Allen zugute kommt.

Derlei öffentliche Pflichten und individuelle Verantwortungen, wie sie das Kehren vor der eigenen Tür als Metapher beschreibt, lassen sich leicht auf das Mit-Kehren für Nachbarn, die gerade krank oder anderweitig verhindert sind, ausdehnen. Es sind diese Selbstverständlichkeiten, die eigentlich keiner Erwähnung oder gar Erläuterung bedürfen sollten und dies gilt, im übertragenen Sinne natürlich für vieles mehr.

Öffentlichkeit
Publikum

Jener Teil der Menschheit, der sich interessiert und wahr nimmt.

Was im Publikum die Zuschauer, sind in der Gesamt-Gesellschaft diejenigen Menschen, die Dinge wahrnehmen, sie beurteilen und sich Meinungen bilden. Allenfalls diese Meinungen auch äussern und reagieren. Sei es durch Applaus, stiller Hochachtung, Desinteresse, Missachtung, Protest oder Apathie.

Die Öffentlichkeit besteht aus Individuen, welche sich in Gruppen unterteilen lassen. Diese Unterteilung betrifft einerseits banale Daten von begrenzter Aussagefähigkeit. Sie betrifft andererseits qualitative Informationen hinsichtlich vorrangigen Bedürfnissen, Werten, Haltungen und Präferenzen. Und sie betrifft schliesslich unterscheidliche Wesenszüge von Menschen innerhalb dieser Gruppen, welche zu Rollen und Funktionen führen. Für den Umgang mit Öffentlichkeit als Gesamtheit ist die Kenntnis der Massenpsychologie wichtig. Diese läuft allerdings Gefahr, durch Gleichsetzungen und egalitäte Annahmen die Vielfalt der Menschen zu übersehen und zu untergraben. Dies hat nicht nur hinsichtlich der Ineffizienz von Massnahmen Nachteile, sondern auch, weil Menschen sich nicht wahrgenommen wissen. Vor allem aber hat der egalitäre massenpsychologische Ansatz den Nachteil, jede Gesellschaft und ihre Wirtschaft zu schwächen, weil durch Gleichmacherei die Vielfalt der Nachfrage daran gehindert wird, zu Vielfalt der Angebote, und damit zu Voll-Beschäftigung und allegemeinem Wohlstand zu führen. Ganz abgesehen von demokratischer Selbstbestimmtheit der Völker.

Für das Erreichen der Öffentlichkeit mit Informationen müssen diese möglichst prägnant, gleichförmig und kohärent kommuniziert werden, damit sie wahr genommen und der selben Person und Sache zugeordnet werden. Es empfielt sich, diese Informationen bewusst zu planen und zu gestalten. Die Nutzung nonverbaler Kommunikationsmittel ist eine Erfolgsvoraussetzung. Auch, weil Menschen eher glauben und ergistrieren, als was sie hören oder gar lesen.

Anders als die Individuen, aus denen sie besteht, ist die allgemeine Öffentlichkeit für intellektuelle Botschaften nur sehr bedingt empfänglich. Dies auch, weil sie, sofern die Aufmerksamkeit ihrer Teile nicht in einem Kontext von Veranstaltungen nach Art eines Zirkus oder Theaters gleich gerichtet gefesselt ist, in ihrer Aufmerksamkeit sehr diffus ist und einer stochastischen Verteilung unterliegt, in der Einzel-Elemente die für Alle zugänglichen, und eventuell spezifisch an sie gerichtetern Informationen, nur sehr zufällig wahrnehmen, registrieren und verarbeiten. Wie überhaupt alle "Neben"-Informatonen neben dem jeweiligen Fokus. Die meisten Menschen nehmen derlei nicht wahr, reagieren darauf nicht. Daher werden sie immer wieder "überrascht". Persönlichkeits-Merkmale als Voraussetzung für Führungs-Verantwortung sind anders.
Als "Öffentlichkeit" kann sich aber gerade das "Überrascht-Sein" in heftigen Reaktionen Luft machen. All dies ist bei der Planung und Präsentation von für die Öffentlichkeit bestimmten Informationen zu berücksichtigen.

Innerhalb von Gesellschaften gibt es Elemente, welche zufällige Informationen stärker registrieren und reflektieren, als Andere. Sie gehen auch in der Weitergabe an Andere anders damit um.

Es gibt solche, die Informationen nur in ihrer potentiellen Wichtigkeit verstehen, und diese deshalb proaktiv an Personen weiter geben, von den sie annehmen, dass diese sie deuten können oder gar benötigen. Diese werden als "Mavens" bezeichnet.

Und es gibt solche, die Informationen auch in ihrer Bedeutung und allenfalls verdeckten Tragweite verstehen, mit anderen Informationen verknüpfen, um daraus denkselbständig Schlüsse zu ziehen. Sie werden diese Schlüsse in ihr Weltbild, ihre Strategien und ihr Handeln einbeziehen, und die Ergebnisse allenfalls proaktiv als Empfehlungen, Warnungen oder Handlungs-Anweisungen weiter geben.

Diese Personen werden als "Connectoren" bezeichnet, weil sie durch ihren Umgang mit den Ergebnissen ihrer Wertung auffallen: Es sind jene Personen, die auch unaufgefordert all ihren Kontakten von einem guten Restaurant berichten, und so erst bewirken, dass ein Lokal plötzlich "in" ist. Und es sind jene Personen, die aus Anzeichen schnell eine drohende Gefahr und / oder Gelegenheit erkennen, und alle, die es angeht, eindringlich warnen. Allenfalls auch, indem sie die geeigneten Hinweise geben, wie mit der Situation bestmöglich umzugehen sei.

Der diese und zwei weitere Gruppen in "The Tipping Point" beschrieb, Malcolm Gladwell, tat dies ausgehend von den ersten Ereignissen, die der "Boston Tea Party" voraus gingen: Ein Helfer erkennt eine Veränderung im Kaufverhalten englischer Soldaten: Sie decken sich ein. Und er, der "Maven" berichtet dies der Person, von der er annimmt, dass diese sich einen Reim darauf machen kann. Diese wiederum, der "Connector" weiss sofort, was die Stunde geschlagen hat: Eine Strafexpedition gegen die freien Siedler. Diese müssen gewarnt werden - und erhalten so die Gelegenheit zu eiliger Vorbereitung und unerwarteter Gegenwehr.

Bemerkenswert auch, dass er noch einen weiteren Warner informiert und instruiert, auf einer weiteren Route Alarm zu schlagen, damit auch dort die Bauern sich sammeln und einander zu Hilfe eilen. Dieser bringt die Botschaft allerdings nicht proaktiv, sondern halbherzig, diffus hinüber. So ist auch seitens der Gewarnten das Umgehen mit der Information unentschlossen.

Die unterschiedlichen Ergebnisse zeigen, wie sehr Information noch einmal mehr nicht diffus, sondern pointiert und überzeugend präsentiert werden muss, wenn sie an eine Öffentlichkeit gerichtet ist. Und jede Massanahme auch klar und unzweideutig durchgeführt, damit ihr nichts kontraproduktives in die Quere kommt, was nur eine Chance erhält, wo es an Eindeutigkeit und Entschlossenheit fehlt.

Die Kommunikation mit Öffentlichkeit unterliegt also anderen Gesetzmässigkeiten, as die mit Einzelpersonen: Sie muss schärfer, auf weniges reduzierter sein. Und sie sollte so weit dies möglich ist, nonverbal erfolgen.

Der Nonverbale Kanal funktioniert immer. Er ist immer auf Empfang und auf Sendung. Auch wenn man sich dessen weder als Empfänger noch als Sender bewusst ist.
In Gladwell's Beispiel vom Start der Befreiung der US-Kolonien von britischer Unterdrückung hat der nonverbale Kanal den Maven aktiviert: Das Kaufverhalten der Soldaten. Dies zeigt, woe sehr man stets auf Alles achten muss, um Strategien und einzelne Massnahmen, wie die Entwicklung neuer Produkte, effektiv vor der Konkurrenz-Ausforschung geheim zu halten. Wohl all denen, die sich, mindestens für Forschung und Entwicklung, einer hohen Fertigungs-Tiefe befleissigen. Wehe denen, die unbedacht mit öffentlichen Einrichtungen, beginnend bei Universitäten, kommunizieren. Murphy's Gesetze gelten! Öffentlichkeit funktioniert auch dort, wo man sie - noch - nicht will. Und Geheimschutz ist ein gutes Recht. Ein Grundrecht.

Die Macht der nonverbalen Kommuniktion, nicht nur gegenüber Zielgruppen, sondern gegenüber der Öffentlichkeit als Ganzes, gilt es genau zu verstehen und immer und überall zu berücksichtigen. Und es gilt, ihre Berücksichtigung auch durchzusetzen, wo man Verantwortung für ein grösseres Ganzes trägt. Nicht nur im positiven Sinne, durch die Gestaltung von Unternehmenskulturen, Marken-Persönlichkeiten und Angeboten. Sondern auch im negativen Sinne, der unbeabsichtigten, unkontrollierten oder allenfalls gar gut gemeinten, aber unprofessionellen und daher kontraproduktiven Kommunikation durch Verhalten und geschaffene Fakten als Zeichen.

Die kontraproduktive Wirkung von Kommunikation beginnt bei diffuser, nicht immer gleichartiger, aber bewuster Kommunikation. Und sie wird noch schädlicher, wo sie Verhalten betrifft. Wo Geschäftspartner, reale wie potentielle, enttäuscht werden. Enttäuschen aber kann man nur, wo die Erwartungen Andere sind, als die Realität. Dies ist wiederum eine Frage der Kohärenz und Stringenz allen Tuns und Lassens, und der Botschaften gegenüber der Öffentlichkeit. Sowie der Erwartungen, die, bewusst oder unbewusst, von der Wahrnehmbarkeit seitens der Öffentlichkeit ausgehen.

Da die öffentliche Wahrnehmung potentiell Alles betrifft, was geschieht, muss der bewusste Umgang mit Öffentlichkeit weit über die "Öffentlichkeits-Arbeit" hinaus gehen. Letztere ist eher nachgeordnet. Denn vor ihr rangieren Wesen, Kultur und Angebote einer Organisation und ihre bewusste Prägung, als Botschafter der Markenpersönlichkeit, deren Wahrnehmung und Interpretation durch Öffentlichkeits-Arbeit gestärkt und von Fehl-Interpretationen frei gehalten werden kann. Auch sie stets um die Stärkung von Stringenz und Kohärenz aller Details bemüht.

Mit Bezug auf Organisationen, Marken und ihre Angebote, wurde "die Gewinnung des öffentlichen Vertrauens - Handbuch für Markentechnik" zum nach wie vor verlegten Standardwerk für den Umgang mit Öffentlichkeit. Wenn die detaillierte Kenntnis dieses Werkes einerseits eigentlich ein Muss für jeden Umternehmer und jede ähnlich hoch gestellte angestellte Führungskraft ist, so gil andererseits auch stets zu bedenken, daß der Autor, Hans Domizlaff, einer anderen Zeit entstammt, so dass insbesondere hinsichtlch der qualitativen Unterscheidung von Zielgruppen und ihren Präferenzen durchaus gilt, neuere Erkenntnisse, einschliesslich der von Hofstätter federführend erforschten "Gruppen-Dynamik" und des Wirkens von Benno von Keysselitz zu berücksichtigen. Hinzu kommen die Tools zur qualitativne Unterscheidung, wie sie in der Value Group entwickelt wurdne und praktiziert werden. Dies kann aber die Bedeutung des Werkes von Hans Domizlaff nicht mindern. Zumal ihm nach wie vor, anders als den Begründern manchen anderen Wissenszweiges, nicht durch neueres Wissen zu widersprechen ist. Zu warnen ist hingegen vor oberflächlichen Simplifizierungen dieses Wissens, wie es als "Branding" aus USA nach Europa zurück kommt, und gar noch als "Neuheit" und "Weisheit" missverstanden wird. Da derlei nicht nur fremdländische Konzerne schwächt, sondern auch europäischen und sonstigen lokal verwurzelten Unternehmen schaden kann, und ergo jeder Gesellschaft und ihrem Wohlstand schadet, erscheint diese Warnung angebracht, und wird "radikaleres" Management des Umganges mit Öffentlichkeit angemahnt.